Pressemitteilung
Ein Fehler im System
Glyphosat-Studie zurückgezogen – ÖDP Trier fordert generelles Verbot und warnt vor systemischen Interessenskonflikten
Der Rückzug einer zentralen Glyphosat-Studie durch den Fachverlag Elsevier entlarvt die jahrzehntelange Einflussnahme von Monsanto/Bayer auf die wissenschaftliche und politische Bewertung des Totalherbizids.
Besonders brisant: Bereits 2017 belegten interne Mails in US-Gerichtsverfahren die fehlende Unabhängigkeit der Studie. Trotzdem blieb sie bis heute eine der meistzitierten Quellen für Behörden und Industrie.
„Das zeigt ein strukturelles Problem“, erklärt Matthias Reimann, Artenschützer und zweiter Vorsitzender der ÖDP Trier. „Wenn industrienahe Studien trotz belegter Zweifel weiter als Grundlage für Zulassungen dienen, ist das nicht nur bei Glyphosat gefährlich. Wir müssen davon ausgehen, dass ähnliche Interessensverstrickungen auch bei anderen Chemikalien bestehen.“
Glyphosat ist ein Totalherbizid, das nahezu alle Grünpflanzen vernichtet. Damit zerstört es nicht nur unerwünschte Beikräuter, sondern auch die Lebensgrundlage von Insekten, Vögeln und Kleintieren. Die Folgen sind gravierend: Rückgang der Artenvielfalt, Verlust von Bestäubern, Gefährdung ganzer Ökosysteme.
Für den Menschen bedeutet der Einsatz ein erhöhtes Risiko, da Glyphosat von der WHO als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft wird und in den USA bereits milliardenschwere Schadensersatzprozesse gegen Bayer/Monsanto geführt wurden.
Trotzdem erklärt das Bundesamt für Risikobewertung das Herbizid bei sachgemäßer Verwendung als unbedenklich.
Die ÖDP fordert daher ein generelles Verbot von Glyphosat.
Gleichzeitig setzt sich Matthias Reimann mit einer Volksinitiative in Rheinland- Pfalz dafür ein, dass Naturschutzgebiete grundsätzlich frei von Pestiziden bleiben. Nur so können Schutzräume ihrer Aufgabe gerecht werden: Rückzugsorte für Artenvielfalt und gesunde Lebensräume für kommende Generationen.
Der Fall Glyphosat ist kein Einzelfall, sondern Symptom eines größeren Problems.
Schon bei Neonikotinoiden wurden die Gefahren für Bienen lange heruntergespielt, bei PFAS-Chemikalien („Ewigkeitsgifte“) verschleierten Hersteller früh bekannte Risiken, und bei Asbest dauerte es Jahrzehnte, bis die tödlichen Folgen anerkannt wurden.
Der renommierte deutsche Toxikologe Dr.Peter Clausing setzt sich seit Jahren mit dem Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN Germany) e.V. für strengere Regulierungen und ein Exportverbot hochgefährlicher Pestizide aus Deutschland ein.
https://www.bundestag.de/resource/blob/1029056/Stellungnahme-SV-Dr-Peter-Clausing.pdf
Organisationen wie foodwatch und das Umweltinstitut München e.V. schlagen Alarm:
Im Rahmen eines sogenannten „Omnibus“-Pakets hat die EU-Kommission einen Gesetzesentwurf eingebracht, der unbefristete Genehmigungen, längere Laufzeiten und verlängerte Aufbrauchfristen für gefährliche Pestizide vorsieht. Nur die Abgeordneten im Europäischen Parlament und die Vertreter unserer Bundesregierung im Europäischen Rat können dies noch verhindern - im Januar 26 erfolgt die Abstimmung.
Immer wieder zeigt sich: Wenn wirtschaftliche Interessen die Wissenschaft dominieren, zahlen Mensch und Natur den Preis. Die ÖDP Trier fordert deshalb Transparenz, unabhängige Forschung und konsequente Verbote – damit unsere Gesundheit und die Artenvielfalt nicht länger Spielball der Chemieindustrie bleiben.
