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Pressemitteilung

ÖDP-Trier: Bauern in Not

Bauern in Not

Um die Bevölkerung sicher zu versorgen, Erzeuger finanziell zu entlasten und die Landwirtschaft klimagerecht umzugestalten, ist ein systemischer Wandel nötig.

„Die aktuelle Krisensituation erfordert besonnenes Handeln, keinen kurzfristigen Aktivismus.“, meint eine Sprecherin der ÖDP-Trier. „Daher sind die Forderungen des Bauernverbandes kritisch zu prüfen, denn in der Vergangenheit führte deren Erfüllung nicht zur dringend notwendigen Stärkung der kleineren regionalen Betriebe, sondern zur Sanierung der Großkonzerne.“

https://www.hessenmagazin.de/news-ticker/offene-worte/11572-kritik-an-forderungen-des-bauernverbandes-nach-millionenhilfen.html

Doch wie kann den Erzeugern in der aktuellen Notlage kurzfristig geholfen werden?

„Landwirte dürfen eben nicht nur für ihre Produkte bezahlt werden. Erhalt und Pflege des Ökosystems, sowie die Förderung der Biodiversität müssen über öffentliche Gelder direkt vergütet werden, ohne langwierige Förderanträge.“, fordert die ÖDP-Trier.

„Klimagerechte Anbaumethoden zur Förderung der Resilienz müssen belohnt werden. Durch den konsequenten Aufbau von Humus und eine vielfältige Bodenstruktur wirken ökologisch bewirtschaftete Böden wie ein Schwamm. Sie können Regenwasser besser aufnehmen und länger speichern. Doch auch Biolandwirtschaft kommt in der jetzigen Extremsituation an ihre Grenzen. Hier muss die Politik handeln: Der Lebensmitteleinzelhandel muss Mindestpreise garantieren, die die realen Produktionskosten decken.“

Länder wie Spanien und Frankreich haben hierzu bereits eigene, nationale Gesetze erlassen.

https://www.eurocommerce.eu/app/uploads/2024/12/thuenenworkingpaper-220.pdf

Die rechtliche Grundlage in Deutschland ist das Agrarorganisationen- und Lieferketten-Gesetz (AgrarOLkG), welches die EU-Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken (UTP-Richtlinie) umsetzt. Überwacht wird dies von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE).

Doch es bedarf noch einer Erweiterung:

Mit der aktuellen Kampagne „Landwirtschaft braucht Fairness“ fordert ein breites Bündnis um Fairtrade Deutschland, Oxfam und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) laut einer aktuellen Veröffentlichung, den Einkauf landwirtschaftlicher Produkte unterhalb der nachgewiesenen Produktionskosten gesetzlich als unlautere Handelspraktik (UTP) einzustufen.

https://epo.de/30412-fairtrade-fordert-verbot-von-preisen-unter-produktionskosten/

Mit der Kooperation „Landwirtschaft für Artenvielfalt“ setzt sich der WWF Deutschland seit 2012 gemeinsam mit dem Initiator Biopark, dem EDEKA-Verbund, dem Leibnitz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V. und Bio-LandwirtInnen (auch Biohof Müller aus Waldrach im Kreis Trier-Saarburg) für den Schutz und die Förderung wildlebender Tier- und Pflanzenarten in der deutschen Agrarlandschaft ein, und garantiert ihren Lieferanten faire Abnahmebedingungen und Preise.

https://www.landwirtschaft-artenvielfalt.de/die-betriebe/

Auch die aktuelle EU-Agrarpolitik (GAP)müsste dringend reformiert werden, denn durch Flächensubventionen und Aufweichung der Pestizid- und Düngeverordnungen zugunsten der Großkonzerne wird die notwendige strukturelle Veränderung der Betriebslandschaft verhindert, und die Ziele der Klimaanpassung rücken in weite Ferne.

https://www.inkota.de/news/eu-gesetz-gegen-unlautere-handelspraktiken

Subventionen müssen von pauschalen Flächenprämien hin zu Investitionshilfen für Präzisionslandwirtschaft (z. B. smarte, tropfengenaue Bewässerung, Bodenmonitoring) und den ökologischen Umbau umgelenkt werden.

Studien (wie vom Thünen-Institut) zeigen, dass Bio-Äcker Regenwasser oft deutlich schneller und tiefer versickern lassen, wodurch Oberflächenabfluss und Bodenerosion bei Starkregen minimiert werden.

https://www.thuenen.de/de/institutsuebergreifende-projekte/leistungen-des-oekolandbaus-fuer-umwelt-und-gesellschaft

Vielfältige Fruchtfolgen sowie der Anbau von Zwischenfrüchten und Untersaaten schützen den Boden vor dem Austrocknen und sichern das Ökosystem stabiler ab als monotone Anbausysteme. Im Ökolandbau wird traditionell verstärkt auf anpassungsfähige und robuste Kulturpflanzen (z. B. Hirse, Gerste, Kichererbsen) gesetzt, die mit weniger leicht löslichem Stickstoffdünger auskommen und tiefere Wurzeln ausbilden.

Aber nicht das Anbausystem allein entscheidet, sondern das gesamte Management – vor allem auch die regenerative Bodenbearbeitung.

https://www.dlg.org/detail/neues-dlg-merkblatt-regenerative-landwirtschaft-permanente-bodenbedeckung

Auch konventionelle Betriebe erzielen durch pfluglose Bodenbearbeitung und dauerhafte Bodenbedeckung inzwischen wichtige Fortschritte bei Biodiversität und Wasserschutz. Denn Bewässerung darf kein Ersatz für verfehlten Bodenschutz sein.

Ein Landwirt aus Luzern wurde zuvor belächelt und gilt nun als Pionier in Sachen Wassermanagement und Agroforstprinzip.

https://www.vaterland.li/regional/schweiz/naturgut-katzhof-luzern-markus-schwegler-setzt-auf-slow-water-art-745097

Hier in Deutschland steht die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung den Landwirten beratend zur Seite: https://www.bundesprogramm.de/

Nicht zuletzt können auch Veränderungen in unserem Konsumverhalten zur Entschärfung der aktuellen Notlage beitragen: Ein geringerer Konsum tierischer Produkte verringert den enormen Flächen- und Wasserbedarf für den Futtermittelanbau und eine Reduzierung von Lebensmittelverlusten entlang der Wertschöpfungskette entlastet die landwirtschaftlichen Ressourcen.

„Es liegt in unser aller Verantwortung, unsere Versorgung auch in Zeiten des Klimawandels nachhaltig zu sichern.“

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