Pressemitteilung
ÖDP-Trier fordert: Mehr Unterstützung für Vereine - denn sie fördern Gemeinschaftssinn und stärken uns für Krisenzeiten!
Trotz der nach wie vor hohen Mitgliederzahl in Vereinen, lässt sich in Deutschland eine deutliche Veränderung in der Vereinskultur feststellen.
Es gibt immer weniger Neugründungen. Vor allem traditionelle Geselligkeits-, Musik- und Dorfvereine finden kaum noch Menschen, die sich langfristig für ehrenamtliche Vorstandsposten verpflichten wollen.
https://www.radiogong.com/vereine-im-wandel-wie-kluges-sparen-vereine-in-deutschland-staerkt-108347/
Gleichzeitig wächst die Zahl an Förder- und Projektvereinen, und damit wandelt sich auch die Finanzierung weg von planungssicheren Mitgliedsbeiträgen hin zu kurzfristigen Einnahmen, die schlecht zu kalkulieren sind.
Vor allem junge Menschen fühlen sich von einem episodischen und nutzerorientierten Engagement angesprochen, während langfristige Bindungen und Verpflichtungen eher abschreckend wirken.
Da jedoch in Krisenzeiten das Bedürfnis nach Selbstfürsorge und Stressabbau steigt, verzeichnen z.B Sportvereine einen immer noch erfreulich hohen Stand an Mitgliederzahlen.
https://www.dosb.de/service/bestandserhebung
Eindrucksvoll ist auch die Entwicklung der Chormusik in Rheinland-Pfalz. Obwohl die Zahl an Gesangsvereinen und Chören sinkt, steigt die Zahl der Amateurmusizierenden insgesamt, allerdings ohne langfristige Vereinsbindung.
https://dokumente.landtag.rlp.de/landtag/vorlagen/8542-V-18.pdf
Dass es einen akuten Mangel an qualifizierten Chorleiterinnen gibt, kann ÖDP-Mitglied Brigitta Meuser als solche nur bestätigen.
„Wie beim Sport wird auch beim Singen unser Belohnungssystem aktiviert und unsere Gesundheit gefördert.“, so Brigitta Meuser. „Allein dafür lohnt sich schon das ehrenamtliche Engagement. Doch die Belastungen sind enorm.“
Selbst Gründerin und ehemalige Leiterin eines sozial-caritativen Vereins, sieht sie in der überbordenden Bürokratie die Ursache für den Mangel an engagierten Vorstandskräften. Dies werde auch vom Staat falsch eingeschätzt und sei mittlerweile mit der Führung eines Unternehmens vergleichbar.
„Im Verein zählt das Ehrenamt als solches, in einer Firma zählen die Kosten.“, differenziert B.Meuser.
Daten und Zahlen zum Thema Ehrenamt liefert alle 5 Jahre, im Auftrag der Bundesregierung, der Freiwilligensurvey – als größte repräsentative Untersuchung zum freiwilligen Engagement in Deutschland.
Die Frage ist, ob diese Erhebungen den Vereinen überhaupt helfen. Denn neben strukturellen und finanziellen Schwierigkeiten ergeben sich auch aufgrund des gesellschaftlichen Wandels zunehmend neue Herausforderungen.
Der Wunsch der Menschen, sich zu engagieren bleibt zwar unverändert hoch, doch der Anspruch auf Wertschätzung der eigenen Leistung ist offensichtlich gestiegen, was von den Anbietern anerkannt und in die Vereinsstruktur transportiert werden sollte.
Bemerkenswert scheint, dass viele junge Menschen in Deutschland gerade das in der Gesellschaft vermissen, was im klassischen Verein meist geboten wird: Stabile Strukturen, Teilhabe, Vertrauen und Kooperation. Letztendlich ist es wohl auch eine Frage der Kommunikation unter den Generationen, ob ein Verein seine Perspektive für die Zukunft sichert. Das von Vereinsmitgliedern früher geschätzte „Lob - nach Erfüllung der Pflicht“, ist heutzutage weniger gefragt, aber umso mehr die Anerkennung eigener Initiative und die Perspektive auf Erfolg. Die Aufgabenstellung an die Organisation und Führung eines Vereins ist also vielschichtig.
„Dazu gehört vor allem auch der Ausbau digitaler Infrastruktur und bessere Vernetzungsmöglichkeiten, um junge Menschen zu gewinnen und langfristige Bindungen aufzubauen. Auch die Gesellschaft ist gefordert, die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements zu erkennen und die Angebote zu unterstützen. Und Streichungen von Förderprogrammen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene sind inakzeptabel !“, so die ÖDP-Trier.
https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/foerderung-demokratie-leben-100.html
So bleibt auch das 4.Bürokratieentlastungsgesetz des Bundes (BEG IV) hinter den Erwartungen zurück.
https://www.bmjv.de/SharedDocs/Gesetzgebungsarchiv/2024_BEG_IV.html
Durch verkürzte Aufbewahrungsfristen sparen Vereine zwar Platz im Archiv und digitale Beschlussfassungen erleichtern die Kommunikation. Von einer allumfassend spürbaren Entlastung im Alltag des Ehrenamts sprechen Praxisvertreter in RLP jedoch kaum, da die großen bürokratischen Hürden auf Landes- und Bundesebene fortbestehen.
„Wir brauchen im Vorfeld einer Gesetzesinitiative eine klare Kommunikation zwischen politischen Entscheidungsträgern und Aktiven der Vereine, also weg von einer rein formalen „Anhörung“ der Vorstände. So können Entlastungs- und Förderprogramme praxisnah gestaltet werden, und in den Gesetzesentwurf mit einfließen.“, fordert die ÖDP.
Denn eines bleibt unbestritten: Vereine sind gelebte Demokratie und stärken unsere gesellschaftlichen Strukturen. Hier ist jeder Einzelne gefordert, Unterstützung zu leisten, sei es durch aktive Mitgliedschaft oder eben Teilnahme an Veranstaltungen oder Projekten - auch ohne langfristige Bindung.
