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Pressemitteilung

ÖDP-Trier: Mehr Eigenverantwortung ist gefragt- Verantwortungsvolle Bürger als Unterstützung der kommunalen Einsatzkräfte

Katastrophenschutz

Der kritischste Punkt im modernen Katastrophenschutz ist die Annahme, dass Bürger im Ernstfall genau wissen, was zu tun ist.

Hier herrscht im Landkreis-Trier-Saarburg, wie vielerorts, ein Kommunikationsproblem zwischen kommunalen Stellen und privaten Haushalten.

Das Wasserhaushaltsgesetz (§ 5 Abs. 2 WHG) verpflichtet jeden Bürger zur Eigenvorsorge.

https://www.bundesumweltministerium.de/gesetz/gesetz-zur-weiteren-verbesserung-des-hochwasserschutzes-und-zur-vereinfachung-des-hochwasserschutzes

Doch dieses Gesetz stammt aus dem Jahr 2017 - also lange bevor uns die Ahrflut und andere Extremwetterereignisse in Schockstarre versetzten.

Einsatzkräfte können bei Flächenlagen (wie Starkregen) unmöglich überall gleichzeitig sein. Wenn Haushalte autark reagieren könnten, würde das eine Entlastung bringen. Doch Behörden stellen Konzepte oft nur passiv bereit (z. B. als PDF auf Kreis- oder VG-Webseiten).

https://www.trier.de/leben-in-trier/sicherheit/hochwasser-starkregen

Bürger müssen aktiv danach suchen. Wer sich nicht gefährdet sieht, sucht jedoch auch nicht.

Ein Sirenenton oder eine NINA-Meldung löst unvorbereitet Panik statt zielgerichtetes Handeln aus. Viele Bürger wissen schlicht nicht, wo in ihrem Haus der Hauptstromschalter liegt oder ab welchem Pegel das Auto umgeparkt werden muss.

Dazu kommt, dass nach Jahren ohne extreme Ereignisse das Gefahrenbewusstsein schwindet.

Ganz untätig sind die Kommunen nicht, allerdings erreichen die praktischen Formate oft nur einen Bruchteil der Bevölkerung. Der Landkreis bietet Infoveranstaltungen an, z.B. „Private Starkregen- und Hochwasservorsorge“, wie in der Verbandsgemeinde Ruwer: https://www.ruwer.de/aktuelles/2025/juni/rueckblick-buergerinformationsveranstaltung-zur-starkregen-und-hochwasservorsorge/

Hier wird gezielt vermittelt, wie Grundstücke baulich geschützt werden können. Solche punktuellen Veranstaltungen lösen jedoch das flächendeckende Kommunikationsproblem im Akutfall nicht. Um eine echte Entlastung der Einsatzkräfte zu erreichen, müssten Kreis und Verbandsgemeinden von der rein digitalen Informationsbereitstellung zu einer aktiven, bürgernahen Risikokommunikation übergehen.

Die ÖDP-Trier hat sich hierüber Gedanken gemacht: Was wären, aus Sicht der Betroffenen, sinnvolle und realisierbare Maßnahmen, die sich in den Alltag eingliedern lassen und im Notfall hilfreich oder gar lebensrettend sind:

1. Verpflichtende Hochwasser-Passports (Objektbezogene Steckbriefe) Jeder Haushalt in amtlich ausgewiesenen Gefahrenzonen erhält per Post eine kurze, laminierte Checkliste (maximal eine DIN-A4-Seite) Inhalt: „Wenn Pegel X am Pegel Trier erreicht ist, passiert in Ihrer Straße Y folgendes: (…) Was Sie jetzt tun müssen: 1. Auto auf Parkplatz Z umparken, 2. Rückstauklappe prüfen, 3. Strom im Keller abschalten.“

2. Etablierung von „Nachbarschafts-Lotsen“ (Spontanhilfe-Strukturen) Nicht jeder kann Sandsäcke schleppen oder Barrieren aufbauen (z. B. ältere Menschen). Die Kommunen sollten in den Stadt- und Ortsteilen strukturierte Nachbarschafts-Netzwerke fördern. Inhalt: Vordefinierte Sammelpunkte für Spontanhelfer abseits der Feuerwehrgerätehäuser. So blockieren hilfsbereite Bürger im Ernstfall nicht die Zufahrtswege der Einsatzkräfte, sondern organisieren die Hilfe im Quartier selbstständig.

3. Praktische Vorsorge-Aktionstage vor Ort Statt theoretischer Vorträge im Gemeindesaal sollten regelmäßige Bürger-Aktionstage direkt an den Gewässern oder in gefährdeten Straßenzügen stattfinden. Inhalt: Gemeinsames Befüllen von Sandsäcken, Demonstration von mobilen Abschottungssystemen für Kellerfenster und das gemeinsame Lesen von Starkregengefahrenkarten mit Experten der Feuerwehr.

4. Zielgruppenspezifische Aufklärung (Schulen & Vereine) Verankerung von richtigem Verhalten bei Unwettern in lokalen Vereinen und Schulen. Inhalt: Kinder transportieren das Wissen direkt in die Familien. Ein Kind, das weiß, dass man bei Starkregen unter keinen Umständen in den Keller geht (Lebensgefahr durch Sturzflut), rettet im Zweifel Leben.

Was die Prävention angeht, wurde bereits Sinnvolles auf den Weg gebracht, wie der Hochwasser-Pass : https://www.hochwasser-pass.info/

Doch der Akutfall wurde bisher meist zu wenig in die Aufklärung einbezogen. Hier muss unbedingt nachgebessert werden.

Unser Fazit: Katastrophenschutz ist keine reine Behördenaufgabe, sondern eine Gemeinschaftsaufgabe.

Die Pläne der lokalen Einsatzkräfte sind professionell, aber das Bindeglied zum Bürger – die verständliche, proaktive Anleitung zum Selbsthandeln – ist die größte Baustelle.

Nur wenn der Bürger vom passiven „Geretteten“ zum aktiven „Mitgestalter der Sicherheit“ wird, gelingt der Schutz bei extremen Wetterlagen.

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