Pressemitteilung
ÖDP-Trier : Vorstoß von Bundesumweltminister Carsten Schneider ist ein Schritt in die richtige Richtung
Die ÖDP-Trier begrüßt ausdrücklich die Pläne des Bundesumweltministers Carsten Schneider, die er jüngst in einem Spiegel-Interview öffentlich machte.
„Wir müssen die Klimaanpassung zu einer Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern machen“ (..) „Wir müssen anders bauen, Städte anders planen, wir brauchen mehr Stadtbäume, müssen Flächen entsiegeln und Städte begrünen.(..)“
Diese Strategie entspricht den Erkenntnissen des WBGU (Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen), der sich kürzlich in einem Dikussionsforum am Helmholtz Institut mit der Frage beschäftigte, wie wir unsere Lebensräume resilient und klimagerecht gestalten können. https://268014.seu2.cleverreach.com/m/17249913/1106887-c475c9719c049e89d498c56c0c68f59584ea610aa542b9f47a79a4716459056d3fcaebb3915eded8a48d677e99eff7ad
Die Helmholtz‑Formate betonen, dass Klimawandel, Hitze, Extremwetter und Ressourcenstress direkte Sicherheitsrisiken für Mensch und Umwelt erzeugen, vor allem in Städten, die nicht klimaresilient gebaut sind. Grüne Infrastruktur nach Schwammstadtprinzipien ist nicht „nice to have“, sondern Grundvoraussetzung für die Funktionsfähigkeit von Gesellschaften. Die Versiegelung von Flächen hingegen verschärft Extremwetterfolgen und die Herausforderungen an Energie- und Wassersysteme.
Die ÖDP-Trier: „Nachhaltiger Städtebau ist nicht nur gesundheits- und umweltpolitisch unumgänglich, sondern sichert auch unsere Versorgungsstrukturen. Auch wenn die notwendigen Maßnahmen der Daseinsvorsorge aufwendig sind, werden wir langfristig davon nur profitieren. Dafür ist eine vernünftige Abwägung wichtig, damit einerseits Naturschutz geleistet und andererseits Wohnraum geschaffen werden kann.“
Der Vorsitzende der ÖDP-Trier, Andreas Matt, selbständiger Förster und Mitglied im AK Begrünung der Lokalen Agenda21, weiß wovon er spricht: Aktuell steht die Begrünung der Trierer Saarstraße auf dem Programm:
https://la21-trier.de/blog/2026/06/25/ak-begegnung-und-begruenung-sitzung-terminiert/
Auch ein Blick zu unseren europäischen Nachbarn könnte lehrreich sein. Beispielsweise Triers italienische Partnerstadt Ascoli piceno: https://ascoli-piceno-trier.de/
Die hellen Oberflächen des Travertin-Gesteins der mittelalterlichen Stadt reflektieren das Sonnenlicht, während die dichte Bebauung dafür sorgt, dass sich die Gassen weniger stark aufheizen als offene, versiegelte Flächen. Moderne Stadtentwicklungsprojekte, wie https://www.landsrl.com/en/, zielen darauf ab, Industriebrachen in ökologische Netzwerke mit tausenden neuen Bäumen umzuwandeln. Ziel ist es auch hier, die Stadt klimaresilienter zu machen und Mensch und Natur besser zu vernetzen.
Denn Klimaanpassung verlangt langfristige, ökologische Planung und Umsetzung, während der Bauturbo für kurzfristigen Bürokratieabbau genau diese Standards im Städtebau senken will.
https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/bauturbo-wohnungen-bundestag-100.html
Auch nach Einschätzung von Umweltverbänden wie der DUH (Deutsche Umwelthilfe) werden diese Maßnahmen in der bisherig geplanten Form nur auf Kosten von Nachhaltigkeit und Wohnqualität zu realisieren sein.
Der Bauturbo soll Bauvorhaben schneller genehmigen und umsetzen, was angesichts der angespannten Lage am Wohnungsmarkt durchaus begrüßenswert ist, jedoch soll dies auch durch Lockerung von Umwelt- und Beteiligungsregeln geschehen. Genau hier entsteht ein Konflikt zu Klimaanpassung und demokratischen Prinzipien, und aus wissenschaftlicher Sicht ist der Bauturbo daher auch ein Risiko für Resilienz und Sicherheit:
Verdichtung und Flächenversiegelung werden bei Extremwetter zu Überhitzung (höhere Gesundheitsrisiken) und überlasteten Entwässerungssystemen (Überschwemmungen, Verunreinigung von Oberflächenwasser..) führen und in der Folge durch später notwendige Anpassungsmaßnahmen hohe Kosten verursachen.
Die ÖDP-Trier folgert: „Der Bauturbo in seiner jetzigen Form widerspricht den sicherheitsorientierten Klimaanpassungszielen und kann nur bestehen, wenn er wissenschaftlich nachgerüstet wird – mit Standards wie z.B. Vorrang für Schwammstadt‑Konzepte, verantwortungsvolle Umweltprüfungen, Nachverdichtung ohne Flächenversiegelung, Sanierung statt Neubau auf der grünen Wiese, verbindliche Resilienz‑Standards als Genehmigungsvoraussetzung.. Außerdem sind schnellere Verfahren für sozialen Wohnungsbau unumgänglich. Daher befürworten wir, dass Carsten Schneider im Spiegel-Interview die Klimaanpassung als künftig so grundlegende staatliche Aufgabe sieht, dass sie „verfassungsrechtlich verankert“ werden müsse.“
